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Es ist Gold, was glänzt

Das monumentale Schloss Esterházy glänzt am ersten Septemberwochenende dieses Jahres im warmen spätsommerlichen Licht.  Das Barockgebäude thront auf einer kleinen Anhöhe – zu Füßen Eisenstadt, Österreichs kleinste Landeshauptstadt. Schiebt man diese gedanklich ein wenig zur Seite könnte man auch auf einem italienischen Landsitz angereist sein, bereit den Conte zu treffen und mit ihm gemeinsam ein Gläschen Chianti zu genießen. Mit einem liegt man nicht falsch, dem italienischen Einfluss nämlich: Schloss Esterháy wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von italienischen Baumeistern und Handwerkern umgebaut. Aus einer alten Burg wurde ein elegantes Schloss. Einen Conte trifft man nicht, dafür bietet die Vinothek gegenüber dem Schlosseingang köstliche Weine aus dem Keller des Esterházy-Weingutes und vorzügliche Happen an Brot, Schinken und Käse, allesamt Produkte aus der Region. Genuss zeigt im Burgenland viele Facetten und neben einem neu ins Leben gerufenen Festival – HERBSTGOLD
(6. bis 16. 9. 2017) – gehören auf jeden Fall auch gutes Essen und Trinken.

Das alles gehört auch zum HERBSTGOLD, das die Aspekte Klassik, Jazz und Balkon-Roma-Musik mit Genuss verbinden möchte. Die angebotene musikalische Palette des neuen Festivals ist breit gefächert. Was nicht fehlen darf, ist selbstverständlich die Musik des Genius Loci, Joseph Haydn. Aber wie Stefan Ottrubay, Generaldirektor der Esterházy Betriebe, bemerkt: „Die Musik hört bei Haydn nicht auf“. Also reihen sich im Festivalprogramm wie Perlen die Werke berühmter Komponisten: Mozart, Beethoven  und wie sie alle heißen. Was also ist das außergewöhnliche am Newcomer in der Festivalszene? Der künstlerische Leiter von HERBSTGOLD, Andreas Richter, verweist auf die Einbindung der Region, die Kultur der diversen Volksgruppen, Slowenen, Kroaten, Roma, Österreicher, die im Burgenland gemeinsam leben, eine bunte Vielfalt in das kulturelle Leben bringen, eine Vielfalt, die sich in jeden Fall im Programm widerspiegeln soll.

So spielt an einem Abend der Klarinettist Andreas Ottensamer gemeinsam mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester unter Cornelius Meister ein Werk von Carl Stamitz, um wenige Stunden später in der Nightline einen schwungvollen jazzigen Nachschlag zu bieten.

Am nächsten Tag heißt es die Facetten der Balkan-Roma-Musik kennenzulernen und im ehrwürdigen Haydnsaal des Schlosses Esterházy springt nicht nur die Lichtmaschine an, sondern das Publikum von den Stühlen und schwingt das Tanzbein. King’ Naat Veliov’s Original Kocani Orkestar aus Mazedonien, Titi Robin aus Südfrankreich und Magnifico aus Slowenien bringen das zustande. Möglicherweise ist das enthusiastische Publikum beflügelt von den Köstlichkeiten, die nachmittags in der Orangerie des Schlosses im Rahmen des Pan o‘Gusto-Festivals geboten wurden. Im Eintrittspreis für das Genussfestival inkludiert ist die Verkostung von regionalen Produkten – von Prosciutto über Kirschsekt und Hirschleberkäse bis zu diversen Weinen. Die Matinee am Sonntagmorgen bietet die großartige Haydn Philharmonie unter Alexander Lonquich, der in dem Fall auf keinen Fall auf Musik von Haydn verzichten möchte (Oxford-Sinfonie), vorher aber gekonnt Mozarts Klavierkonzert C Dur KV 503 spielt und dirigiert.

Also ja, warum nicht, könnte man so die Frage zu, warum ein neues Festival, beantworten. Genauso kann man sich ein Wochenende im Burgenland vorstellen: Musik genießen und Essen und Trinken. Zwischen Konzerten und Genussfestival flaniert man durch Eisenstadt und besucht alles wo Joseph Haydn drauf steht oder drinnen ist: die Bergkirche (Haydnkirche) mit seinem außergewöhnlichen, rund um die Kirche gebauten Kalvarienberg, das Haydn-Mausoleum, das Haydn-Haus, macht einen Rundgang am Haydn-Pfad. Was man auf keinen Fall versäumen darf, ist eine Besichtigung des Schloss Esterházys. Neben dem berühmten, mit wunderschönen barocken Fresken ausgestatteten Haydn-Saal, der mit bester Akustik überzeugt, gibt es zahlreiche Säle, die sehenswert sind. Die Fürsten Esterházy bewiesen stets ein gutes Händchen in Sachen Kunst und Kultur, Mäzene eben, mit guten und anstrengenden Seiten, wie es auch Joseph Haydn kennenlernte. Auch heute hat die Stiftung Esterházy einen Bildungsauftrag, auch ein Grund warum ein neues Festival gegründet wurde. Das erste Festival unter der künstlerischen Leitung von Andreas Richter hat erfolgreich gestartet. Das Publikum zeigt Interesse und der Ausblick auf 2018 (das Programm ist bereits erhältlich – 5. bis 16. 9. 2018) verspricht ebenfalls nur Erfreuliches, unter anderem auch eine Opernaufführung.

www.herbstgold.co


Text: Susanne Dressler

Credits: Wolfgang Riepl; esterhazy.at

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